Hochgebirge · Val d'Hérens / Ferpècle
Cabane de la Dent Blanche CAS — Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf 3.507 m
Die Cabane de la Dent Blanche CAS liegt auf 3.507 m, an eine Felsstufe direkt unter der Wand der Dent Blanche (4.357 m) geklebt. Der Plan war einfach: Hütte erreichen, schlafen und morgens auf den Gipfel. Es hat nicht geklappt — aber Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf dieser Höhe sind ein Schauspiel, für das sich der Weg auch ohne Gipfelpläne lohnt.
Der Zustieg: Ferpècle → Bricola → Hütte
Der Start ist eine Richtung, die ich gut kenne: Sion, durch das Val d'Hérens nach Les Haudères und über die schmale Straße nach Ferpècle (1.770 m), wo der Asphalt endet. Von dort steigt der Weg steil zur Bricola (2.415 m) — einer ehemaligen Alp und dem besten Aussichtspunkt auf die zwei Gletscher unter der Dent Blanche.
Oberhalb der Bricola wird das Gelände richtig hochalpin: Moränen, Felsplatten und versicherte Passagen. Die Hütte taucht plötzlich aus dem Fels auf — ein steinernes CAS-Gebäude mit modernem Metallflügel, in die Wand auf 3.507 m gebaut. Von Ferpècle sind das etwa 1.700 Höhenmeter und 5–6 Stunden Gehzeit.
Von oben sieht das Gletschervorfeld aus wie eine Karte: türkise Mäander des Schmelzwassers vereinen sich zu einem Bach und verschwinden im schwarzen Geschiebe. Ich bleibe hier immer eine Weile stehen — es ist eines der abstraktesten Fotos, die man im Wallis machen kann.
Sonnenuntergang über den Gletschern
Die Hütte steht am westlichen Rand des Kars, also schaut man den Sonnenuntergang über dem ganzen Gletscherpanorama. Der Himmel über dem Grat beginnt in Orange, geht durch Rot und endet in Violett, während die Gipfel zu schwarzen Silhouetten werden.
In diesem Licht wechselt der Gletscher alle paar Minuten die Farbe: von kühlem Blau über Rosa bis zu tiefem Purpur kurz nach Sonnenuntergang. Es ist ein kurzes Fenster — vielleicht zwanzig Minuten — aber es reicht für eine ganze Fotoserie.
Abends fällt die Temperatur blitzschnell. Ich fotografiere bis zum letzten Licht, dann Abendessen in der Hütte und schnell in den Schlafsack, denn der Wecker klingelt vor der Dämmerung.
Sonnenaufgang: Die Grate entzünden sich einer nach dem anderen
Sonnenaufgang auf dieser Höhe ist eine Lektion in Geduld. Zuerst fängt das Licht die höchsten Türme — scharfe Felsnadeln über dem Gletscher glühen golden, während der Talboden noch in tiefem Schatten liegt.
Dann wandert das Licht immer tiefer: Grat um Grat, Gletscher um Gletscher. Das Dent-Blanche-Massiv sieht in der Morgendämmerung aus wie aus Kupfer gemeißelt — warmes Licht auf dem Fels, kalter Schatten auf dem Schnee. Das ist die beste Zeit für das Teleobjektiv und Kontrastarbeit.
Auch Schwarz-Weiß-Bilder funktionieren hier wunderbar: Schneekuppen und Felsbastionen verlieren in Mono die Farbe, gewinnen aber Grafik — klare Gratlinien und das Muster der Spalten im Eis.
Der Plan war die Dent Blanche — es hat nicht geklappt
Die Dent Blanche (4.357 m) ist einer der schönsten und schwierigsten Viertausender des Wallis — der Normalweg von der Hütte ist anspruchsvolles Klettern, kein Trekking. Diesmal ließen Bedingungen und Form keinen Gipfelversuch zu, und ich musste loslassen.
Solche Touren gehören auch zu dieser Arbeit. Der Berg verschwindet nicht — Hütte, Gletscher und Wand werden nächste Saison da sein, und ich komme mit Karten voller Fotos und einem Plan zurück, der auf einen besseren Moment wartet.
Praktisch: Die Hütte ist in der Sommersaison geöffnet, Plätze müssen im Voraus reserviert werden. Der Zustieg von Ferpècle ist lang und versichert — gute Schuhe, Stirnlampe und Wasservorrat sind nötig, denn unterwegs gibt es fast keine Quellen.
Routenkarte — Sion → Ferpècle → Bricola → Cabane de la Dent Blanche CAS (3507 m)
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