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Biwak und Sonnenaufgang · Grosser Sankt Bernhard

Grosser Sankt Bernhard und Pointe de Drône — Sonnenaufgang aus dem Zelt

Der Col du Grand-Saint-Bernard (2469 m) ist einer dieser Orte, über die man einfach hinwegfährt — ich halte jedes Mal an. Der See auf dem Pass, das Hospiz, die italienische Grenze gleich hinter dem Wasser: jedes Wetter ergibt ein anderes Bild. Das eigentliche Bild bekommt man hier aber nur, wenn man über Nacht bleibt. Über dem Pass erhebt sich die Pointe de Drône (2949 m), und auf ihrem Grat bringt der Sonnenaufgang die ganze Landschaft in Ordnung.

Der Pass: See, Hospiz und ein Wetter, das alles verändert

Von Sion über Martigny und Bourg-Saint-Pierre dauert die Fahrt rund eineinhalb Stunden. Die letzten Kilometer sind Kehren, und die Passstrasse ist meist von Juni bis Oktober offen — sonst fährt man durch den Tunnel, der den Pass umgeht.

Im Sommer liegen am See noch Schneefelder, die wie kleine Eisschollen ins Wasser gleiten. Das steinerne Beinhaus, das Hospiz und die italienischen Gebäude jenseits der Grenze geben Mass, und in einer windstillen Stunde macht das Wasser daraus eine symmetrische Spiegelung.

Hier entscheiden die Bedingungen alles. Dasselbe Motiv mittags bei hartem Licht und tiefblauem Himmel und dasselbe Motiv neunzig Minuten später im Nebel sind zwei völlig verschiedene Fotografien. Darum komme ich so oft zurück.

Der See auf dem Grossen Sankt Bernhard mit Schneescholle und Hospiz im Hintergrund
Rosa Abendwolken spiegeln sich im See auf dem Grossen Sankt Bernhard

Eine Nacht im Zelt über dem Pass

Das Zelt stelle ich höher auf, auf den Grasterrassen über dem Pass Richtung Combe des Morts — eine Viertelstunde vom Auto, aber schon weg von Verkehr und Licht. Auf 2500–2600 m weht fast immer Wind, deshalb zählen Schutz hinter einer Felsstufe und solide Abspannungen.

Der Abend ist der ruhigste Teil des Tages: Autos und Motorräder verschwinden, es bleiben Wind und einzelne Geräusche vom Hospiz. Aus dem Zelt heraus wird der Blick ins Val d'Entremont zum fertigen Bildrahmen — Eingang offen lassen und warten, bis die Wolken orange brennen.

Den Wecker früh stellen. Das erste Licht trifft die Grate auf der italienischen Seite deutlich früher als die Sonnenaufgangszeit im Tal vermuten lässt, und die besten Farben halten etwa eine Viertelstunde.

Blick aus dem Zelt auf Berge und orange Wolken über dem Grossen Sankt Bernhard

Sonnenaufgang und Pointe de Drône

Der Aufstieg zur Pointe de Drône beginnt am Pass: über die Combe des Morts zum Col de Bastillon (2757 m), dann über den Grat zum Gipfel (2949 m). Rund 500 Höhenmeter und knapp zwei Stunden, der letzte Gratabschnitt ist jedoch felsig und ausgesetzt — bei Nässe oder gefrorenem Schnee ernster, als er aussieht.

Morgens trifft das Licht zuerst die Felsrippen unter dem Gipfel. Die Wände durchlaufen die ganze Skala von tiefem Rot bis Kupfer, während der Rest noch im Schatten liegt — der Moment für das Teleobjektiv und für Bilder, die nur die Gipfel zeigen.

Zieht Nebel auf die Grate, wird derselbe Gipfel zu einer weichen, von unten leuchtenden Form. Und im Westen steht über allem das Mont-Blanc-Massiv — der beste Blick des Tages liegt genau der aufgehenden Sonne entgegengesetzt.

Rotes Alpenglühen am Felsgrat bei der Pointe de Drône beim Sonnenaufgang
Gipfel in goldenem Licht und Nebel über dem Grossen Sankt Bernhard
Das Mont-Blanc-Massiv im ersten Licht, gesehen von der Pointe de Drône

Routenkarte — Col du Grand-Saint-Bernard → Pointe de Drône

Klicken Sie eine Station auf der Karte, im Höhenprofil oder in der Liste an — die anderen Ansichten heben denselben Punkt hervor.

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1000150020002500300035001632 mBourg-Saint-Pierre2469 mCol du Grand-Saint-Bernard2600 mCombe des Morts2757 mCol de Bastillon2949 mPointe de Drône
Höhenprofil der Route — 1317 m Höhendifferenz.