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Biwak · Chamonix / Aiguilles Rouges

Lac Blanc im Zelt — Biwak in Chéserys, Sonnenuntergang und Sonnenaufgang am Mont Blanc

Der Lac Blanc (2352 m) ist der meistfotografierte See über Chamonix — an windstillen Morgen spiegelt er den ganzen Grat von der Aiguille Verte bis zum Mont Blanc. Wir sind für eine Nacht von Sion hinübergefahren, mit vollem Fotogepäck: Stative, Objektive, Filter. Zu Fuss aus dem Tal war damit nichts zu machen — wir nahmen den Télésiège de l'Index.

Von Sion nach Chamonix und hoch zum Index

Ab Sion durchs Rhonetal nach Martigny, über den Col de la Forclaz und Le Châtelard zur Grenze und weiter nach La Flégère (Les Praz) — gut zwei Stunden mit dem Auto. Der Parkplatz an der Talstation der Télécabine de la Flégère ist kostenpflichtig, aber gross.

Statt des Zustiegs zu Fuss von La Flégère nahmen wir die Bahnen: Télécabine de la Flégère, dann Télésiège de l'Index (2385 m). Mit Zwanzig-Kilo-Rucksäcken, Zelt, Stativen und Verpflegung für einen Tag war das die einzig vernünftige Entscheidung — von der Bergstation bleibt knapp eine Stunde leichter Querung zum See.

Achtung auf die Betriebszeiten: die letzte Bergfahrt ist am frühen Nachmittag, und morgens läuft die Bahn erst nach Sonnenaufgang. Wer erstes und letztes Licht will, muss oben übernachten.

Wanderer auf einem Felsgrat über Chamonix vor den Aiguilles
Silhouette eines Wanderers mit rotem Rucksack vor dem Gletscher

Routenkarte — Sion → La Flégère → Télésiège de l’Index → Chéserys → Lac Blanc

Klicken Sie eine Station auf der Karte, im Höhenprofil oder in der Liste an — die anderen Ansichten heben denselben Punkt hervor.

In die Karte klicken, um das Zoomen mit dem Mausrad zu aktivieren.

050010001500200025003000491 mSion1030 mLa Flégère2385 mTélésiège de l'Index1990 mLes Chéserys2352 mLac Blanc2352 mRefuge du Lac Blanc
Höhenprofil der Route — 1894 m Höhendifferenz.

Aire de bivouac réglementée des Chéserys — die Regeln

Das ganze Gebiet liegt in der Réserve naturelle des Aiguilles Rouges, biwakieren darf man nur in der ausgewiesenen Zone: Aire de bivouac réglementée des Chéserys. Der Platz muss vorher bei der Reservatsaufsicht angemeldet werden — die Zahl der Zelte pro Nacht ist begrenzt und wird kontrolliert.

Die Regeln sind einfach: Zelt erst am Abend aufstellen und am Morgen abbauen, nur auf den markierten Flächen, kein Feuer, kein Abfall, kein Baden in den Seen. Wasser aus dem Bach, gefiltert oder abgekocht.

Die Alternative zum Zelt ist das Refuge du Lac Blanc direkt am Ufer: Abendessen, Schlafplatz und dasselbe Morgenlicht, nur ohne Tragen. Reservation obligatorisch, im Sommer eine Woche im Voraus ausgebucht.

Aiguilles Rouges und Mont Blanc gespiegelt im Lac Blanc
Felsnadel, die aus wirbelnden Wolken auftaucht

Sonnenuntergang — Alpenglühen an den Drus

Nach Sonnenuntergang beginnt das, wofür man heraufkommt. Das letzte Licht trifft flach auf die Granitwände der Aiguille du Dru und der Aiguilles de Chamonix, und für eine Viertelstunde glüht der ganze Fels kupfern, während das Tal längst im Schatten liegt.

Die besten Bilder entstehen mit dem Tele: kein Panorama, sondern ein Ausschnitt, in dem das Licht punktuell eine Nadel trifft und der Rest blau bleibt. Stativ und Fernauslöser — bei voller Brennweite zählt jede Böe.

Dru-Nadel im kupfernen Abendlicht vor dunkelblauem Himmel
Letztes Licht auf einem Felspfeiler über dem Gletscher
Goldene Granittürme der Aiguilles de Chamonix im Abendlicht
Punktlicht auf einer Granitwand, der übrige Grat im Schatten

Sonnenaufgang über dem See

Morgens lohnt sich das Aufstehen eine Stunde vor Sonnenaufgang. Das Wasser ist dann meist unbewegt und der Lac Blanc tut, wofür er berühmt ist: er spiegelt den ganzen Grat — Aiguille Verte, Les Drus, die Chamonix-Nadeln und die Kuppel des Mont Blanc.

Das erste rosa Licht trifft die höchsten Gipfel, wandert abwärts, und nach zwanzig Minuten ist alles vorbei. Kräuselt sich die Oberfläche, geht man ein paar Dutzend Meter tiefer zu den kleinen Tümpeln von Chéserys — windgeschützt, sie halten den Spiegel länger.

Abstieg nach dem Frühstück: entweder zurück mit der Bahn oder zu Fuss über Chéserys und Praz — zweieinhalb Stunden, mit leeren Flaschen deutlich angenehmer.

Morgendämmerung an einem Tümpel in Chéserys mit Spiegelung des Massivs
Rosa Morgenlicht auf den Graten, im Wasser gespiegelt