Blog

Gletscher · Val d'Hérens / Ferpècle

Mont-Miné-Gletscher und Ferpècle — der am leichtesten erreichbare Gletscher im Wallis

Der Mont-Miné-Gletscher ist einer der wenigen Orte im Wallis, an denen ein Gletscher wirklich leicht erreichbar ist — man fährt bis Ferpècle und geht knapp eine Stunde fast eben zum Vorfeld. Ich bin sehr oft dort, zu jeder Jahreszeit: im Sommer wegen des Gletschervorfelds und der Alpenrosen, im Winter — wenn die Strasse gesperrt ist und man laufen muss — wegen des Zelts, der Stille und der Sterne über der Dent Blanche.

Anfahrt: Sion → Les Haudères → Ferpècle

Von Sion fährt man durchs Val d'Hérens über Euseigne und Evolène nach Les Haudères und weiter auf schmaler, aber asphaltierter Strasse nach Ferpècle (1770 m). Rund eine Stunde. Am Strassenende gibt es einen Parkplatz — mehr Logistik braucht diese Tour nicht.

Vom Parkplatz führt ein breiter Alpweg über Salay zum Gletschervorfeld: 45–60 Minuten, kaum Steigung. Deshalb nehme ich hier die volle Ausrüstung mit: Stativ, Tele, Filter. Ein seltener Fall, in dem das Gewicht nicht darüber entscheidet, ob die Tour überhaupt stattfindet.

Im Sommer ist der Hang über dem Weg rosa von Alpenrosen, dahinter steht der markante Mont Miné mit dem Eisbruch des Glacier de Ferpècle rechts. Das beste Licht ist vormittags, bevor vom Eis her die Wolke hereinzieht.

Blühende Alpenrosen über dem Ferpècle-Tal mit dem Mont-Miné-Gletscher
Gletscherkessel des Mont Miné mit Eisbruch und Moräne

Das Gletschervorfeld

Das fotografisch stärkste Motiv liegt direkt unter der Zunge: die verzweigte Schmelzwasserebene, die jedes Jahr anders aussieht. Türkise Wasserarme ziehen durch schwarzen Gletscherschlick und zeichnen Muster, die sich nicht planen lassen — man kommt hin und sieht, was der Fluss diesen Sommer gezeichnet hat.

Ich fotografiere das immer von oben, von der Seitenmoräne, mit dem Tele — so wird aus dem Chaos eine Abstraktion. Die Farbe ist am Nachmittag am kräftigsten, wenn die Schmelze am stärksten ist und das Wasser am meisten Gletschermilch trägt.

Vorsicht beim Betreten der Sedimente: Der Schlick kann weich sein, und der Wasserstand ändert sich im Tagesverlauf um Dezimeter. Die Gletscherzunge selbst wird nicht betreten — sie ist unterspült, immer wieder brechen Blöcke ab.

Türkise Schmelzwasserarme auf schwarzem Gletscherschlick

Bricola und der Zustieg unter die Dent Blanche

Wer höher will, steigt nach Bricola (2415 m) — eine alte Alp mit Steinhaus, heute der schönste Aussichtspunkt im Tal. Von Ferpècle rund zwei Stunden steiler, aber einfacher Weg auf der linken Gletscherseite.

Von Bricola sieht man die ganze Talachse: die beiden Gletscher Mont Miné und Ferpècle unter der Dent Blanche (4357 m) und darüber die Wand, die morgens weiss leuchtet und nachmittags in der Wolke verschwindet. Es ist der Zustieg zur Cabane de la Dent Blanche; darüber ist es Hochtour, kein Wanderweg.

Für Fotografen funktioniert Bricola den ganzen Tag: morgens Pass und Gletscher, abends das Steinhaus im letzten Licht mit der Gewitterwolke von Zermatt her.

Steinhaus auf Bricola über dem Mont-Miné-Gletscher in der Sommersonne
Steinhaus vor Gletscherwand und Seracs
Verschneiter Gipfel in Gewitterwolken mit fliegendem Vogel

Winter: zu Fuss und im Zelt

Im Winter ist die Strasse oberhalb von La Forclaz gesperrt und verschneit, das Auto bleibt in Les Haudères. Von dort geht man zu Fuss — mit Schneeschuhen oder auf Ski — über La Forclaz nach Ferpècle und weiter zum Gletscher. Etwa drei Stunden pro Weg, mit Biwakgepäck eher vier.

Eine Nacht auf dem Gletschervorfeld ist ein völlig anderer Ort als derselbe Platz im Sommer: das Vorfeld gefroren, Stille, nur das Arbeiten des Eises, und ein Himmel ohne Licht aus dem Tal. Ich stelle das Zelt flach und weit weg von Lawinenhängen auf und lese das Bulletin — hier muss man Schnee lesen können.

Die Belohnung ist unschlagbar: Dent Blanche und Nachbargrate im Sternenlicht, morgens ein rosa Sonnenaufgang an den Wänden, gespiegelt in einem offenen Wasserloch. Nötig sind ein −20-°C-Schlafsack, eine Matte mit hohem R-Wert, Ersatzbatterien und eine Thermosflasche — Gas verliert bei dieser Kälte an Leistung.

Rosa leuchtendes Zelt unter Sternenhimmel über Ferpècle
Beleuchtetes Zelt auf einer Schneeinsel am gefrorenen Vorfeld
Wintermorgen über dem gefrorenen Vorfeld mit gespiegeltem Gipfel
Das Steinhaus auf Bricola im Winter unter der Dent Blanche

Variante 1 — mit dem Auto: Sion → Les Haudères → Ferpècle → Gletschervorfeld des Mont Miné

Klicken Sie eine Station auf der Karte, im Höhenprofil oder in der Liste an — die anderen Ansichten heben denselben Punkt hervor.

In die Karte klicken, um das Zoomen mit dem Mausrad zu aktivieren.

05001000150020002500491 mSion1436 mLes Haudères1770 mFerpècle1875 mSalay1980 mGlacier du Mont Miné
Höhenprofil der Route — 1489 m Höhendifferenz.

Variante 2 — Bricola und Zustieg unter die Dent Blanche

Klicken Sie eine Station auf der Karte, im Höhenprofil oder in der Liste an — die anderen Ansichten heben denselben Punkt hervor.

In die Karte klicken, um das Zoomen mit dem Mausrad zu aktivieren.

150020002500300035004000450050001770 mFerpècle1875 mSalay2415 mBricola2650 mPlan des Yeux4357 mDent Blanche
Höhenprofil der Route — 2587 m Höhendifferenz.

Variante 3 — Winter zu Fuss: Les Haudères → Ferpècle → Biwak unter dem Gletscher

Klicken Sie eine Station auf der Karte, im Höhenprofil oder in der Liste an — die anderen Ansichten heben denselben Punkt hervor.

In die Karte klicken, um das Zoomen mit dem Mausrad zu aktivieren.

10001500200025001436 mLes Haudères1727 mLa Forclaz1770 mFerpècle1960 mBivouac Mont Miné
Höhenprofil der Route — 524 m Höhendifferenz.