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Zeltnacht · Monte Moro

Monte Moro im Zelt — Nacht bei der Madonna delle Nevi und Gewitter über Mattmark

Die goldene Madonna delle Nevi steht auf dem Monte-Moro-Pass genau auf der Grenze zwischen der Schweiz und Italien, auf 2853 Metern. Ich bin mit dem Zelt vom Mattmark-Staudamm hinaufgestiegen, um Sonnenuntergang und Sonnenaufgang von dort zu erleben — und bekam mitten in der Nacht etwas Ungeplantes: ein Gewitter, das durch das Nachbartal zog.

Vom Staudamm Mattmark zum Pass

Start ist an der Staumauer Mattmark (2197 m) im Saastal — Anfahrt mit dem Auto oder dem Postauto ab Saas-Almagell. Der Parkplatz liegt direkt an der Krone, der Aufstieg beginnt also schon hoch oben.

Der Weg führt dem türkisfarbenen Mattmarksee entlang zur Distelalp, biegt dann rechts ab und steigt durch das Tälliboden an. Eine der schönsten Routen dieses Teils des Wallis: erst Gras und Bäche, dann Blockfelder und zuletzt eine lange Querung unter den Pass. Der letzte Abschnitt ist steinig und stellenweise mit Ketten gesichert.

Rund 650 Höhenmeter und 3 bis 3,5 Stunden mit schwerem Rucksack — mit Zelt, Wasser und Fotoausrüstung eher die längere Variante. Der Abstieg auf derselben Route dauert etwa 2,5 Stunden.

Rast auf einer Granitplatte über dem Saastal
Mattmarksee im Abendlicht vom Aufstieg zum Monte Moro

Streckenkarte und Höhenpunkte

Klicken Sie eine Station auf der Karte, im Höhenprofil oder in der Liste an — die anderen Ansichten heben denselben Punkt hervor.

In die Karte klicken, um das Zoomen mit dem Mausrad zu aktivieren.

150020002500300035002197 mMattmark · Staudamm2210 mDistelalp2480 mTälliboden2853 mMonte Moro Pass · Madonna delle Nevi2796 mRifugio Oberto Maroli
Höhenprofil der Route — 656 m Höhendifferenz.

Madonna delle Nevi und Abend auf 2853 m

Auf dem Pass steht das Santuario Madonna delle Nevi — eine vergoldete Figur der Schneemadonna auf einem Steinsockel, in den fünfziger Jahren hier aufgestellt. Im letzten Tageslicht leuchtet sie orange, und die graue Granitwand dahinter wird zum natürlichen Studio.

Das Zelt stellte ich einige Dutzend Meter neben der Figur auf, auf flachem Schotter beim Steinmann. Sonnenuntergang auf der Schweizer Seite: Gratlinien, der Mattmarksee tief unten und das Gipfelkreuz gegen die Sonne. Auf der italienischen Seite die weit offene Wand des Monte Rosa.

Nachts wird es bei der Figur magisch. Ein Stirnlampenkegel genügt, damit das Gold der Madonna aus dem sternenvollen Schwarz tritt. Das Bild macht sich fast von selbst — man muss nur die Kälte aushalten.

Goldene Figur der Madonna delle Nevi im letzten Tageslicht
Kreuz am Monte-Moro-Pass im Sonnenuntergang, daneben das Zelt
Madonna delle Nevi und eine Gestalt mit Stirnlampe unter dem Sternenhimmel
Vergoldete Madonnenfigur nachts vor Sternen

Gewitternacht und Rifugio Oberto Maroli

Gegen ein Uhr nachts stand über den Nachbartälern eine Gewitterzelle. Vom Pass aus sah sie aus wie eine von innen beleuchtete Wolkensäule — Blitze im Sekundentakt und darüber die Milchstrasse. Fotografisch: ein Geschenk. Praktisch: eine Lage, in der ein Zelt auf dem Grat keine gute Idee mehr ist.

Zum Glück steht wenige Minuten vom Pass entfernt auf der italienischen Seite das Rifugio Oberto Maroli (2796 m). Genau deshalb kann man hier mit ruhigem Gewissen zelten — bei Wetterumschwung ist ein Dach in Minuten erreichbar und nicht erst nach drei Stunden Abstieg.

Das Gewitter zog seitlich vorbei, das Zelt hielt. Am Morgen war alles nass, aber der Himmel klar — und der Sonnenaufgang über Mattmark entschädigte für die schlaflose Nacht.

Von Blitzen erleuchtete Gewitterwolke nachts unter dem Monte Moro
Sonnenaufgang über dem Mattmarksee vom Monte-Moro-Pass
Sonnenuntergang über dem Monte Rosa vom Monte-Moro-Pass

Praktisches

Biwak auf dieser Höhe heisst Kälte auch im August — Schlafsack mit Komfort um null Grad, warme Jacke und Mütze. Auf dem Pass gibt es kein Wasser, man trägt es hoch oder fasst weiter unten.

Immer die Gewitterprognose prüfen. In den Alpen kommen Gewitter am Nachmittag und Abend, und ein Pass ist der schlechteste Ort bei Blitzschlag. Das Rifugio Oberto Maroli ist Plan B — man sollte wissen, wo es steht, bevor es dunkel wird.

Auf der italienischen Seite fährt die Seilbahn von Macugnaga zum Monte Moro, die Tour lässt sich also auch als Übergang vom Wallis ins Piemont machen. Ich stieg auf derselben Route nach Mattmark ab — am Morgen, auf leerem Weg und in eiskalter Luft.