Stadt und Rebberge · Sion, Wallis
Sion — Hauptstadt des Wallis, zwei Burgen auf Fels und ein Meer von Rebbergen
Sion ist mein Zuhause in der Schweiz und mein häufigstes Motiv. Die Walliser Hauptstadt liegt am Grund des Rhonetals, darüber ragen zwei Felshügel auf: auf dem einen die befestigte Basilika Valeria, auf dem anderen die Ruine der Burg Tourbillon. Ich kenne keine andere Alpenstadt mit einer so starken Silhouette — mit Nebel, Schnee oder gutem Licht entsteht das Bild von selbst.
Zwei Burgen auf zwei Felsen
Valeria ist eine befestigte Basilika aus dem 12. Jahrhundert und beherbergt die älteste spielbare Orgel der Welt. Tourbillon gegenüber ist die Ruine der Bischofsburg, 1788 abgebrannt und bewusst nie wieder aufgebaut. Aus einigen Kilometern Distanz wirken beide wie eine Bühnenkulisse — zwei scharfe Kegel über flachem Talboden.
Die besten Bedingungen bringen Winter und Spätherbst, wenn sich das Tal mit Nebel füllt. Dann fahre ich höher — an den Hang von Savièse oder auf den Mont d'Orge — und warte, bis nur noch die beiden Felsen aus dem Weiss ragen. Für dieses Bild reisen Fotografen aus ganz Europa an; bei mir sind es zehn Minuten.
Am Abend lohnt sich das Teleobjektiv von Westen: Das letzte Licht liegt auf den Mauern von Valeria, dahinter stehen die verschneiten Berner Alpen.
Die Altstadt
Unter den Burgen liegt eine kompakte Altstadt: steinerne Gassen, der Grand-Pont mit dem Kanal unter der Fahrbahn, das Rathaus, die Kathedrale Notre-Dame du Glarier und der Hexenturm. In einer Stunde ist alles abgelaufen — ich komme aber vor allem im Morgengrauen zurück, wenn der Nebel zwischen den Dächern steht und Rauch aus den Kaminen steigt.
Der Freitagsmarkt am Grand-Pont, ein Kaffee im Schatten und die Treppe hinauf nach Valeria: der einfachste Halbtagesplan für den ersten Besuch. Sion ist klein, aber dicht — für das Wesentliche braucht es kein Auto.
Im Winter verändert sich die ganze Stadt: Schnee auf den Dächern, angestrahlte Burgmauern, dunkle Hänge ringsum. Die blaue Stunde direkt nach Sonnenuntergang ist der Moment.
Rebberge — die grösste Weinregion der Schweiz
Das Wallis produziert rund einen Drittel des Schweizer Weins, und Sion liegt mittendrin. Die Rebterrassen ziehen sich ohne Unterbruch von Martigny bis Sierre, und auf dem markierten Chemin du Vignoble kann man stundenlang durch sie wandern.
Für mich sind sie vor allem Vordergrund: Rebzeilen, Trockenmauern und Pfützen, in denen sich Burgen und Gipfel spiegeln. Im Herbst färben sich die Blätter kupfern, im Februar geben die geschnittenen, verdrehten Stöcke eine Grafik, die ich sonst nirgends finde.
Lokale Sorten, die man suchen sollte: Fendant (Chasselas), Petite Arvine, Cornalin und Humagne Rouge. Viele Keller in Savièse und Conthey nehmen Degustationen ohne Reservation an.
Sehenswertes in der Umgebung
Neben den Burgen: der Lac Souterrain in Saint-Léonard, der grösste natürliche unterirdische See Europas (zehn Autominuten), die Thermen von Saillon und Ovronnaz, die Suonen (bisses) mit den angenehmsten leichten Wegen des Kantons und der Mont d'Orge mit kleinem See und Ruine direkt über der Stadt.
Nachts lohnt die Fahrt nach Clèbes oder Veysonnaz: unten die Lichter des ganzen Rhonetals, oben der verschneite Grat des Haut de Cry und der Berner Alpen. Das einfachste Nachtmotiv, das ich im Wallis kenne.
Basis für Alpen, Italien und Frankreich
Deshalb sollte ein Bergfotograf Sion als Basis in Betracht ziehen. Innerhalb einer Fahrstunde liegen die Eingänge zum Val d'Hérens, Val d'Anniviers, Val de Bagnes und nach Nendaz — und von dort die Zustiege zu Dent Blanche, Matterhorn, Grand Combin sowie zu den Gletschern von Moiry und Ferpècle.
Zermatt ist eineinhalb Stunden mit dem Zug entfernt, Aletsch und Eggishorn etwa eine Stunde, Chamonix und das Mont-Blanc-Massiv zwei Stunden über Martigny und den Col de la Forclaz. Italien liegt ebenso nah: Durch den Grosser-St.-Bernhard-Tunnel ist Aosta in knapp zwei Stunden erreichbar, über den Simplon Domodossola.
Praktisch: Das Rhonetal hat am meisten Sonne und am wenigsten Niederschlag in der Schweiz — wenn es über den Berner Alpen schüttet, ist es in Sion oft klar. Die A9 macht die Anfahrt einfach, Züge ab Genf brauchen rund 1 h 40.
Stadtrundgang — Sion: Valeria, Tourbillon, Altstadt und Rebberge
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Aussichtspunkte über Sion — Savièse, Mont d'Orge, Clèbes
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